Ich bin mit einem Bild von Menstruation aufgewachsen, das von Scham geprägt war. In meiner religiös geprägten Familie war Weiblichkeit und Menstruation kaum ein Thema – darüber sprach man einfach nicht. So lernte ich früh: Meine Periode ist etwas Unangenehmes, über das ich möglichst nicht sprechen sollte. Ich schämte mich für meinen Körper und meine Gefühle und dachte lange, dass starke Schmerzen und Stimmungsschwankungen eben dazugehören und ich mich nicht so anstellen sollte. Mit 14 ging ich wegen starker Akne erstmals zum Frauenarzt und bekam die Pille. Später wechselte ich zum Implanon. Dadurch blieb meine Blutung über Jahre aus – und für mich fühlte sich das zunächst wie eine Befreiung an: keine Periode, keine Schmerzen, keine Stimmungstiefs. Ich musste mich nicht mehr mit meinem Zyklus auseinandersetzen.
Rückblickend war genau das aber auch ein Grund, warum ich mich lange überhaupt nicht mit meinem Zyklus und meiner Weiblichkeit beschäftigt habe.


Ihre Antwort war sinngemäß: „Nehmen Sie doch die Pille – oder werden Sie schwanger.“ Und damit war ich wieder dort, wo ich vorher war: mit meinen Beschwerden, aber ohne wirkliche Antwort. Erst vor etwa zwei Jahren kam ich schließlich zu einer Ärztin, die sagte: „Wir geben Ihnen jetzt einmal eine Überweisung ins Krankenhaus und lassen das genauer abklären.“
Und genau dort bekam meine jahrelange Suche eine andere Richtung: Es wurde Adenomyose diagnostiziert. Im Rückblick bedeutet das für mich: Ich bin jahrelang mit einer falschen oder zumindest nicht passenden Diagnose herumgelaufen – zwischen dem Verdacht auf Endometriose und dem Gefühl, dass meine Beschwerden vielleicht einfach irgendwie dazugehören. Ich hatte so lange versucht, selbst herauszufinden, was mir guttut, habe ausprobiert, recherchiert, nach Zusammenhängen gesucht und immer wieder an verschiedenen Stellschrauben gedreht.
Manchmal braucht es nicht noch mehr Selbstoptimierung. Manchmal braucht es zuerst jemanden, der zuhört, Zusammenhänge mit dir sortiert und dir hilft, die nächsten Schritte zu finden. Genau daraus ist auch ein Teil meiner heutigen Arbeit entstanden. Ich möchte Frauen einen Raum geben, in dem ihre Beschwerden ernst genommen werden dürfen – ohne dass sie sich dafür rechtfertigen müssen. Einen Raum, in dem wir gemeinsam schauen können: Was weiß ich bereits über meinen Körper? Was möchte ich besser verstehen? Welche Fragen möchte ich mit in die nächste Arztpraxis nehmen? Und was kann mir darüber hinaus im Alltag guttun?
Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie zermürbend es sein kann, wenn man spürt, dass etwas nicht stimmt – aber lange keine Antwort bekommt oder sich einfach nicht sicher fühlt bei dem Gegenüber.